Methoden im Design Science Research

Design Science Research ist ein breites Forschungsparadigma, welches das Ziel verfolgt Gestaltungswissen zu generieren. Es existieren eine Reihe von unterschiedlichen methodischen Ansätzen, die ihre Anwendung im DSR finden können. In diesem Blogpost werden drei relevante Methoden vorgestellt.

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Design Science Research verfolgt das Ziel, präskriptives Wissen über die Gestaltung von Artefakten, wie Software, Methoden, Modelle oder Konzepte, zu generieren. Dieses Gestaltungswissen hilft der Forschung und der Praxis dabei in zukünftigen Projekten Artefakte systematisch und wissenschaftlich fundiert zu gestalten. Durch diese Gestaltung und Anwendung kann wiederum gestaltungsorientiertes Wissen entstehen, welches zu einem DSR-Wissenskorpus beiträgt (Hevner et al. 2004).

Um sowohl zur Theorie als auch zur Praxis der Lösung von Problemen in der realen Welt beitragen zu können, müssen nicht nur neuartige Lösungen (Artefakte) gestaltet werden, sondern auch dessen breite Auswirkungen auf den Anwendungsbereich aufgezeigt werden. Dadurch soll die sogenannte Stringenz (rigor) und Relevanz (relevance) der DSR-Forschung demonstriert werden. DSR versucht somit Wissen zu generieren, wie man neuartige Lösungen für relevante Probleme effektiv gestalten und einsetzen kann. Das Wissen, welches dabei entsteht, muss Informationen über die Lösung, aber auch Nachweise enthalten, die aufzeigen wie gut die neuartige Lösung das Problem adressiert. Es sollte somit gezeigt werden, wie die Lösung in der realen Welt effektiv eingesetzt werden kann, um die Interessengruppen des Problems zufriedenzustellen (vom Brocke et al. 2020).

Dieses Wissen deckt drei grundlegende Aspekte im DSR ab; den Problemraum (problem space) und den Lösungsraum (solution space). Dazu kommt das Wissen, welches die Effektivität der Problemlösung durch das oder die generierten Artefakte beschreibt. Dieser dritte Aspekt wird als die Evaluation (evaluation) bezeichnet. Die Evaluation beschreibt inwieweit die konstruierten neuartigen Artefakte (Lösungsraum) den Problemraum adressieren und die Interessengruppen des Problems zufriedenstellen. Folgende Grafik zeigt diese drei relevanten Aspekte des gestaltungsorientierten Wissens.

Design Knowledge (vom Brocke et al. 2020)
Design Knowledge (vom Brocke et al. 2020)

Alle Aspekte tragen zum gesamten DSR-Wissenskorpus bei und werden innerhalb eines DSR-Projekts auf systematische Weise erarbeitet und evaluiert. Damit dieses Wissen auf eine nachvollziehbare (z.B. empirische) Weise erarbeitet wird, kommen im DSR verschiedene (wissenschaftliche) Methoden zum Einsatz, die im Folgenden diskutiert werden.

Systematische Literaturanalysen

Systematische Literaturanalysen (systematic literature reviews) schaffen eine solide Grundlage für die Generierung von Wissen. Sie erleichtern die Theorieentwicklung und decken Bereiche auf, in denen Forschung notwendig ist. Sie dienen im DSR außerdem dazu den Problemraum zu verstehen, indem existierende Literatur identifiziert wird und zu erforschende Bereiche aufgezeigt werden. Sie dienen außerdem als Grundlage zur Gestaltung des Lösungsraum, beispielsweise durch den Einfluss von relevanten Theorien (kernel theories). Ein umfassendes DSR-Projekt sollte eine systematische Literaturanalyse enthalten. Relevante Literatur zur Methode: Webster and Watson (2002) und vom Brocke et al. (2015).

Interviews

Interviews gelten als empirische Forschungsmethode, um vor allem qualitative Erkenntnisse von beispielsweise Experten in einem bestimmten Feld zu bekommen. Sie können eingesetzt werden um Anforderungen (meta requirements) an den Lösungsraum zu stellen, die eine starke Fundierung zum Problemraum besitzen, wenn die Interviewten Teil der Interessengruppe des Problems sind. So kann bereits bei der Erstellung des Artefakts sichergestellt werden, dass eine möglichst gute Adressierung des Problemraums herrscht. Beispielsweise können aus den Ergebnissen aus Interviews Gestaltungsprinzipien (design principles) generiert werden, welche zur Gestaltung von Artefakten genutzt werden können. Außerdem können Interviews genutzt werden, um gestaltete Artefakte zu evaluieren und somit Gestaltungswissen zu verfeinern oder zu erweitern. Relevante Literatur zur Methode: Mayring (2014).

Experimente

Experimente sind vor allem aufgrund ihrer hohen internen Validität ein probates Mittel, um Gestaltungswissen zu generieren oder zu validieren. Mit Hilfe von Experimenten lassen sich vor allem isolierte Aspekte untersuchen, wie die Effektivität einzelner Gestaltungsprinzipien (design principles) aber auch einzelner Funktionalitäten, Mechanismen oder Softwareausprägungen (design features). Auch die Effektivität ganzer Artefakte kann mit Hilfe von Experimenten nachgewiesen werden, um beispielsweise eine Verallgemeinerung von Gestaltungswissen zu erzielen. Experimente gelten somit als mächtiges empirisches Werkzeug, um Gestaltungswissen zu generieren und zu evaluieren. Relevante Literatur zur Methode: große Deters et al. (2019) und Dennis und Valacich (2001)

Weitere Methoden

Neben diesen populären Methoden im DSR existieren noch weitere Methoden oder Kombinationen aus verschiedenen Methoden, die genutzt werden um Gestaltungswissen zu generieren. Um Gestaltungswissen, wie beispielsweise Designprinzipien zu erarbeiten oder zu klassifizieren, können beispielsweise Taxonomien entwickelt werden. Ein methodisches Vorgehen dafür wurde von Nickerson et al. (2013) erarbeitet. Weitere Methoden sind Simulationen, Fallstudien, die Ethnographie oder der Grounded Theory Ansatz.

Design Science Research ist ein breites Forschungsparadigma, welches das Ziel verfolgt Gestaltungswissen zu generieren. Es existieren folglich eine Reihe von unterschiedlichen methodischen Ansätzen wie der Problemraum systematisch erarbeitet werden kann, der Lösungsraum gefunden und gestaltet werden kann, aber auch wie effektiv der gestaltete Lösungsraum die zu adressierenden Probleme adressiert. In diesem Artikel wurden drei mögliche Methoden aufgezeigt, die im DSR eingesetzt werden.

Dr. Dominik Siemon
Dr. Dominik Siemon
Forscher

Ich forsche im Bereich Design Science Research, um auf kreative und innovative Art und Weise neue Artefakte zu schaffen, die Herausforderungen der digitalen Gesellschaft lösen können.

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