DSR Vorgehensmodelle

Welche DSR Vorgehensmodelle gibt es und was unterscheidet diese?

Bearbeitet durch Pia Gebbing und Jannes Menck

Design Science Research (DSR) betont in seinem Vorgehen zwei fundamentale Aspekte: Rigorosität und Relevanz. Konkret bedeutet dies die Verankerung des Designwissens und der die Vorgehensmodelle in fundierten Theorien und wissenschaftlich anerkannten Methodiken (A. R. Hevner, 2021). Auch die Design Zyklen (LINK) nach Hevner (2007) spiegeln diese Logik wieder, indem sie gezielt deskriptives Wissen (z.B. aus etablierten Theorien) mit präskriptivem Wissen (z.B. aus Experteninterviews) verknüpfen. Basierend auf diesen fundamentalen Annahmen des DSR Ansatzes (Gregor, 2002; A. Hevner, 2007; A. R. Hevner et al., 2004), haben sich verschiedene Vorgehensmodelle entwickelt um die Forschung methodisch und inhaltlich zu strukturieren. Ziel ist es, die Gestaltung, Implementierung, Analyse, Verwaltung und Nutzung von Informationssystemen (IS) effektiv und effizient durchzuführen (Hevner et al. 2004). Im Gegensatz zum etablierten Konzept der DSR Zyklen, gibt es jedoch (noch) keine allgemein gültigen Ansätze, sondern eine Vielzahl von Vorgehensmodellen. Während sich einige Modelle allmählich durchsetzen und repliziert werden (Kuechler & Vaishnavi, 2012; Peffers et al., 2007), entwickeln viele Autoren eigene Vorgehensansätze, die zu ihrem Forschungsvorhaben passen (z.B. Wambsganss et al., 2021 . Andere Vorhergehensmodelle aus verwandten Disziplinen, wie zum Beispiel aus dem Action Design Research können leicht an die theoretischen Grundlagen des DSR angepasst werden.

Gemeinsamkeiten verschiedener Vorgehensmodelle:

Da die unterschiedlichen Vorhergehensweisen meist auf dem Modell der DSR Zyklen aufbauen, gibt es oft große Gemeinsamkeiten: · Iteration: DSR wird in der Regel als mehrschrittiger, iterativer Prozess betrachtet, in dem dynamisch zwischen den drei Zyklen gewechselt wird. (Relevance Zyklus, Design Zyklus und Rigor Zyklus) · Vom Problem zur Lösung: Zu Beginn steht stets die Identifizierung einer Fragestellung, die ein relevantes, reales Problem adressiert (Möller et al., 2020). · Generierung von Design Wissen: Design Knowledge wird durch die Verknüpfung von präskriptivem Wissen (z.B. durch Experteninterviews) und deskriptivem Wissen (auf Grundlage bestehender Theorien) generiert.

Unterschiede verschiedener Vorgehensmodelle:

Die Vorgehensmodelle unterscheiden sich jedoch insbesondere im Hinblick auf zwei Aspekte: · Granularität: manche Autoren unterteilen das Vorgehen in mehr Schritte als andere. · Fokus: die Unterscheidung zwischen präskriptivem und deskriptivem Wissen wird unterschiedlich stark betont. Im Folgenden werden drei beispielhafte Vorgehensmodelle beschrieben, die zum Teil aufeinander aufbauen, zum Teil aber auch einen unterschiedlichen Fokus und Granularität aufweisen.

1. Kuechler Vaishnavi 2019

Das Vorgehensmodell von Kuechler und Vaishnavi basiert auf einem Ansatz von Takeda et al. (1990). Ziel ist die Verfeinerung einer Kernel Theorie (LINK), mid-range theory oder einer Design-Theorie. Die vorgestellten Schritte sind: Das Verstehen des Problems: Ein Problem kann aus verschiedensten Bereichen kommen, wie beispielsweise der Industrie oder einer anderen Disziplin. Für DSR sind vor allem Lösungsorientierte Probleme relevant. Für das Verstehen des Problems sollen Kriterien gesucht werden, mit denen eine Lösung evaluiert werden kann. Das Ergebnis der Phase soll ein Vorschlag für einen neuen wissenschaftlichen Ansatz sein. Der Vorschlag einer Lösung: Auf Grundlage des Vorschlags soll ein Lösungsvorschlag entwickelt werden. Hier wird eine neue Funktionalität vorgeschlagen und in eine vorläufige Designskizze weiterentwickelt. Falls kein Lösungsvorschlag gefunden wird, wird der Vorschlag aus Schritt eins verworfen. Die Entwicklung dieser: Falls eine Designskizze entwickelt werden konnte wird diese im nächsten Schritt in einem Artefakt(Link) umgesetzt. Abhängig von der Art des Artefakts sind verschiedene Arten der Umsetzung möglich. Bei der Umsetzung ist es nicht von großer Bedeutung wie neuartig die Konstruktion des Artefaktes ist. Die Neuartigkeit des Designs steht im Vordergrund. Die Evaluation der Lösung: Nachdem das Artefakt entwickelt wurde, kann es mit den in Schritt eins gefundenen Metriken evaluiert werden. Abweichungen davon sollten protokolliert und begründet werden. Es ist möglich Hypothesen über die erwarteten Ergebnisse aufzustellen und diese zu untersuchen. Der Erkenntnisgewinn in diesem Schritt ist von zentraler Bedeutung. Die Ergebnisse der Evaluation zusammen mit Erkenntnissen, die während der Entwicklung und eventueller Ausführung gemacht wurden, können nun in einem neuen Vorschlag zusammengefasst werden und der Prozess beginnt von vorne. Die Zusammenfassung der Erkenntnisse: Wenn die Evaluation ergibt, dass das Artefakt das Problem zufriedenstellend löst, kann mit der Zusammenfassung der Erkenntnisse begonnen werden. Neben der Zusammenfassung der Ergebnisse des Vorhabens sollte vor allem das gesammelte (Design-)Wissen kommuniziert werden.

Designzyklus nach Vaishnavi und Kuechler, 2012
Designzyklus nach Vaishnavi und Kuechler, 2012

2. Peffers et al. 2007

Peffers et al. (2007) stellen ein Vorgehensmodell vor, welches ebenfalls mit der Identifizierung eines zu lösenden Problems startet. Das Problem soll definiert und dessen Relevanz aufgezeigt werden. Auf der Grundlage des Problems, soll definiert werden, welches Ziel eine Lösung des Problems haben sollte (Meta-Requirements). Diese können je nach Problem qualitativ oder quantitativ sein. Im nächsten Schritt soll ein Artefakt (Verweis auf Artefakt) erstellt werden, in welchem der wissenschaftliche Beitrag eingebettet ist. Dabei muss auch die gewünschte Funktionalität und Architektur des Artefakts definiert sein, wobei auch theoretische Kenntnisse berücksichtigt werden sollen. Der Nutzen, der durch das Artefakt in Bezug auf ein (Teil-)Problem entsteht, soll darauffolgend demonstriert werden. So können beispielsweise Simulationen, Experimente, Fallstudien oder andere Ansätze für die Demonstration gewählt werden. Hierfür ist das Wissen erforderlich, wie das Problem mit dem Artefakt gelöst werden kann. Für eine Evaluation des Artefakts soll während der Demonstration beobachtet und wenn möglich gemessen werden, wie gut das Artefakt das Problem löst. In diesem Schritt sollen die anfangs definierten Ziele mit den Beobachtungsergebnissen verglichen werden. Je nach dem Ergebnis des Vergleichs kann zurück in den Entwicklungsschritt gegangen oder mit der Kommunikation fortgefahren werden. Bei der Kommunikation soll neben dem Artefakt auch das Problem und dessen Wichtigkeit thematisiert und der Fachwelt präsentiert werden. Bei dem Artefakt sind vor allem Neuartigkeit, Nützlichkeit und Effektivität für andere Forschende und Praktiker:innen zu begründen. Für die Kommunikation ist Wissen über die Disziplin notwendig. Auch wenn der Prozess weitestgehend linear vorgestellt wird, ist ein zurückgehen jederzeit möglich. Es kann auch in jedem Schritt gestartet werden, falls schon erste Ansätze existieren, auf denen aufgebaut wird.

Designzyklus nach Peffers et al., 2007
Designzyklus nach Peffers et al., 2007

3. Action Design Research (ADR)

Der Ansatz der Action Design Research (ADR) ist als eine wichtige Variante des Design Science Research-Ansatzes anerkannt und wurde von einer Reihe von Wissenschaftlern als methodologische als methodische Grundlage für Dissertationen und multidisziplinäre Forschungsprojekte verwendet (Haj-Bolouri et al., 2017). Die in Abbildung XY dargestellten Phasen und Prinzipien von ADR beschreiben eine handlungsorientierte Forschung, die motiviert ist durch Probleme der realen Welt in einem realen organisatorischen Kontext. Die Lösung wird gestaltet durch den Aufbau, die Intervention und die Bewertung von Artefakt-Prototypen, die in der Organisation im organisatorischen Umfeld. Ein wichtiges Merkmal des ADR Ansatzes ist die zugrunde liegende partizipative Philosophie, die besagt, dass während der gesamten ADR-Phasen und der Lösungsentwicklung das ganze ADR-Team aktiv beteiligt ist (Forscher, Interessenvertreter, Praktiker, Endnutzer) (Haj-Bolouri et al., 2017).

Action Design Research Vorgehen nach Sein et al., 2011
Action Design Research Vorgehen nach Sein et al., 2011

4. Beispiel für die Entwicklung eines eigenen Vorgehensmodells nach Wambsganß (2021)

Da der DSR Ansatz ein relativ junges Phänomen ist, gibt es noch keine einheitlichen Regelungen zu Vorgehensmodellen. Die meisten Publikationen entwickeln daher eine eigene Methodik, die sie mit der Theorie zu DSR verknüpfen. Dadurch treffen die oben genannten Gemeinsamkeiten und Unterschiede auch auf die selbst entwickelten Vorgehensmodelle zu. Im Folgenden wird ein Beispiel aufgezeigt, dass erneut klare Ähnlichkeiten zu den bereits beschriebenen Vorgehensmodellen aufweist. Schritt 1 - Identifizierung eines relevanten Problems Schritt 2 – Deskriptives Wissen Der zweite Schritt ist die Gewinnung von deskriptivem Wissen, z.B. durch Literaturanalysen, um das Design in strengen wissenschaftlichen Erkenntnissen zu verankern (Hevner, 2021). Schritt 3 – Präskriptives Wissen Aus Experteninterviews wird deskriptives Wissen über spezifische Designanforderungen in Form von User-Stories generiert. Schritt 4 - Ableitung vorläufigen Design Knowledge: Entwicklung von Designwissen die Artefakte auf den verschiedenen Level repräsentieren. Schritt 5 - Validierung der Designprinzipien: Die Artefakte werden getestet und validiert, z.B. durch Expertenfeedback (Interviews, Workshops), Instanziierung oder Argumentation (Möller et al., 2020).

Literatur:

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